Projektfinanzierung im Bankenmarkt ausschreiben
Eine Projektfinanzierung auszuschreiben heißt nicht, mehrere Banken um ein Angebot zu bitten. Es heißt, den Wettbewerb so zu organisieren, dass die Angebote überhaupt vergleichbar werden – und dass am Ende nicht nur der Zinssatz, sondern die Gesamtstruktur zum Projekt passt. Ein Immobilienprojektentwickler hat für eine großvolumige Fremdfinanzierung genau diesen Prozess im deutschen Bankenmarkt aufgesetzt und extern steuern lassen.
Ausgangslage
Für ein Entwicklungsprojekt musste eine passgenaue Finanzierungsstruktur eingeworben werden. Die Anforderungen kamen aus drei Richtungen gleichzeitig: aus dem Projekt selbst mit seinem Zeit- und Kostenprofil, aus dem Marktumfeld mit seinen Konditionen, und von den Finanzierungspartnern mit ihren jeweiligen Kredit- und Sicherheitenanforderungen.
Entwickler, die in dieser Situation bilateral mit einzelnen Banken sprechen, verhandeln strukturell aus der schwächeren Position: Ohne Vergleichsangebot fehlt die Referenz, und ohne Zeitplan bestimmt die Bank die Taktung.
Der Auftrag
Strukturierung, Ausschreibung und Verhandlung der Fremdfinanzierung – bis zum Financial Close:
- Vorbereitung und Durchführung eines strukturierten Ausschreibungsprozesses in der deutschen Bankenlandschaft
- Erstellung der finanzierungsrelevanten Unterlagen: Business Plan, Finanzmodell, Projekt- und Sicherheitenstruktur
- Analyse und Vergleich der eingehenden Angebote unter wirtschaftlichen, strukturellen und rechtlichen Gesichtspunkten
- Entwicklung der Ziel-Finanzierungsstruktur einschließlich Covenants, Sicherheitenpaket, Auszahlungsvoraussetzungen und Cashflow-Mechaniken
- Steuerung des Prozesses zwischen Entwickler, Banken, Rechts- und technischen Beratern
- Unterstützung bei Term-Sheet-Verhandlung und finaler Finanzierungsdokumentation
- Begleitung des Kreditprüfungs- und Due-Diligence-Prozesses bis zum Financial Close
Die Projektfinanzierung Schritt für Schritt
Ein Unterlagenpaket für alle Adressaten
Vor der ersten Ansprache stand die Aufbereitung: Business Plan, Finanzmodell, Projekt- und Sicherheitenstruktur in einer Form, die jede angesprochene Bank ohne Rückfragenschleife prüfen kann. Der Effekt ist doppelt – die Kreditprozesse laufen schneller an, und die Angebote werden vergleichbar, weil alle auf denselben Annahmen beruhen.
Auswahl der Adressaten statt Breitenansprache
Nicht jede Bank finanziert jedes Projekt. Angesprochen wurden gezielt Institute, deren Risikoappetit, Ticketgröße und Erfahrung mit vergleichbaren Entwicklungen zum Vorhaben passten. Eine zu breite Ansprache erzeugt Absagen, die im Markt sichtbar werden – und schwächt die Verhandlungsposition.
Angebote strukturell vergleichen, nicht nur preislich
Der Vergleich lief über alle relevanten Dimensionen: Marge und Bereitstellungszinsen, aber ebenso Covenants, Sicherheitenpaket, Auszahlungsvoraussetzungen und Cashflow-Mechaniken. Ein günstiges Angebot mit engen Auszahlungsbedingungen kann im Bauablauf teurer werden als ein nominell teureres mit belastbaren Ziehungsmechanismen – ein Unterschied, der sich erst in der Umsetzung zeigt.
Verhandlung als organisierter Prozess
Term Sheets wurden parallel geführt, nicht nacheinander. Die Koordination zwischen Entwickler, Banken, Rechtsberatern und technischen Beratern lag durchgängig in einer Hand – ebenso die Begleitung der Kreditprüfung und der Due Diligence bis zur Darlehensbereitstellung.
Wann sich eine Ausschreibung der Projektfinanzierung lohnt
Nicht jedes Vorhaben rechtfertigt den Aufwand. Ein strukturierter Prozess trägt sich ab einer Größenordnung, in der ein Margenunterschied von wenigen Basispunkten die Prozesskosten übersteigt – bei großvolumigen Entwicklungen ist das regelmäßig der Fall. Ebenso lohnt er sich, wenn das Projekt Besonderheiten aufweist, die nicht jede Bank abbildet: gemischte Nutzungen, Bauen im Bestand, längere Vorvermarktungszeiträume oder Grundstücke mit Altlastenthematik.
Umgekehrt kann die bilaterale Verhandlung mit der Hausbank die schnellere Variante sein, wenn eine belastbare Geschäftsbeziehung besteht und das Vorhaben dem Standardraster entspricht. Entscheidend ist, diese Wahl bewusst zu treffen statt aus Gewohnheit – und im bilateralen Fall wenigstens eine Vergleichsindikation einzuholen, um die Konditionen einordnen zu können.
Ergebnis
Der Prozess führte zu wettbewerbsfähigen Finanzierungskonditionen bei gleichzeitig strukturell optimierter Projektfinanzierung. Entscheidend war die Verzahnung beider Ziele: Konditionen lassen sich verhandeln, wenn echter Wettbewerb besteht – Struktur lässt sich gestalten, wenn die eigenen Anforderungen vorher definiert sind.
Der Zinssatz ist der sichtbarste, aber selten der teuerste Teil einer Projektfinanzierung. Auszahlungsvoraussetzungen und Covenants entscheiden darüber, ob das Projekt im Bauablauf handlungsfähig bleibt.
Was Projektentwickler daraus mitnehmen
- Wettbewerb entsteht durch Organisation. Ohne Zeitplan und einheitliche Unterlagen gibt es keine vergleichbaren Angebote.
- Die Adressatenauswahl ist Teil der Verhandlung. Gezielte Ansprache bringt bessere Konditionen als eine breite Streuung.
- Financial Close ist ein eigenes Arbeitspaket. Zwischen Term Sheet und Auszahlung liegt Dokumentationsarbeit, die Kapazität bindet.
Welches Profil dieses Mandat verlangt
Gefragt ist jemand, der beide Seiten des Tisches kennt: die Kreditlogik der Banken – Sicherheiten, Kapitaldienstfähigkeit, interne Genehmigungswege – und die Projektsicht des Entwicklers. Dazu Sicherheit im Financial Modelling und Erfahrung in der Verhandlung von Term Sheets und Finanzierungsdokumentation.
Solche Mandate werden regelmäßig an erfahrene Freiberufler vergeben, die Finanzierungsprozesse dieser Art seit Jahren begleiten. Was das für Unternehmen bedeutet, steht unter Für Unternehmen; das Vorgehen beschreibt der Ablauf.
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